Logo des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt die größte Jugendstil-Sammlung im deutschsprachigen Raum. Sie bildet gleichzeitig das Fundament des Hauses, da der Gründungsdirektor Justus Brinckmann zahlreiche Exponate direkt auf der Pariser Weltausstellung 1900 erworben hat.

2015 ist die Abteilung neu einrichtet worden. Detailliert gestaltete Raumensembles erzählen vom kreativen Geist der Zeit, von stilistischen Umbrüchen und großen Idealen. Zur selben Zeit hat die Sonderausstellung „Jugendstil. Die große Utopie“ die Zeit um 1900 historisch aufgearbeitet: Von Reformmode zur Lebensreform hat die Ausstellung gesellschaftliche Entwicklungen thematisiert, die nicht nur diese Jahrhundertwende geprägt haben. Sie sind heute so aktuell wie damals.

Diese Aktualität hat uns veranlasst, die großen Ideen des Jugendstils aufzugreifen: In der folgenden fiktiven Geschichte bereist ein junger Reporter die Schicksalsorte Europas in der Zeit um 1900, trifft herausragende Akteure und wird Zeitzeuge von Gesundheitsreformen, alternativen Lebensmodellen und einem rasanten technischen Fortschritt.

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Prolog

Gehirnspezialisten haben kürzlich festgestellt, dass die Menschheit ihren Intelligenz-Zenit bereits überschritten hat. Nach Meinung der Forscher liegt der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Nie wieder als zu jener Zeit sind die Menschen so kreativ, so erfinderisch und so erfolgreich gewesen. Zur Bekräftigung ihrer These führen sie all jene bahnbrechenden Entdeckungen und Erfindungen an, ohne die wir heute nicht da wären, wo wir sind.

Die Ernährung kommt auf den Prüfstand. Die schädliche Wirkung von Alkohol ruft ganze Antibewegungen auf den Plan. Der Tee wird zur gesunden Alternative, besonders für die Arbeiter. Die Geburtsstunde der Vegetarier schlägt, Frauen kämpfen um Wahlrecht und Selbstbestimmung, das Kind rückt in den Fokus von Erziehungsreformern.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dreht sich die Welt schneller: Dampfmaschinen lassen Schiffe flussaufwärts fahren, Elektrizität erleuchtet die Nacht, erste Flugzeuge erobern den Luftraum und erfüllen damit einen Menschheitstraum. Röntgenstrahlen durchleuchten den Körper und erleichtern medizinische Diagnosen, Wissenschaftler entdecken radioaktive Substanzen, die Telegrafie übermittelt Nachrichten in wenigen Sekunden über weite Distanzen, Freud ist der Psyche auf der Spur, Forscher entdecken die Vitamine und stellen Farben für Textilien synthetisch her. Jetzt werden die Städte bunt.

Christian Heller, aufgewachsen im Hamburger Gängeviertel

In diese Zeit des Umbruchs wird Christian Heller hineingeboren. Er wächst auf im Hamburger Gängeviertel, das für seine katastrophalen hygienischen Bedingungen weit über die deutschen Grenzen hinaus berüchtigten ist. Zwischen engen, mit Unrat und Kot übersäten Gassen und stickigen Kleinstwohnungen verbringt er seine entbehrungsreiche Kindheit und Jugend. Einem glücklichen Zufall verdankt er den Ausstieg aus dem Elend und den Beginn einer Karriere. Er erledigt Botengänge für einen Journalisten, der immer wieder über die Zustände im Gängeviertel berichtet. Dem Reporter gefällt der flinke Junge mit den wachen Augen und dem scharfen Verstand. Er fördert ihn, schickt ihn zur Schule und nimmt ihn, wann immer es geht, mit auf seine Recherchetouren. So lernt Christian Heller das Handwerk des Berichterstatters. Zu Beginn arbeitet er für diversen Redaktionen, schreibt kleine Artikel. Später erhält er ein festes Engagement bei der Zeitung „Hamburger Tägliche Correspondenz“. Für die bereist er im Zeitraum von 1896 bis 1914 ganz Europa, lernt maßgebliche Persönlichkeiten kennen und berichtet über gesellschaftliche Ereignisse.

Während seiner vielen Reisen füllt Christian Heller sein Tagebuch - mit ganz persönlichen Erlebnissen bei seiner Begegnung mit berühmten Akteuren wie Klimt, Freud und Henry van de Velde. Es sind Eindrücke, die ein lebendiges Bild der Zeit zeichnen. Begleiten Sie unseren jungen Reporter durch die aufregende Zeit um 1900.

Der Hauptdarsteller und die Handlung sind frei erfunden, die anderen Personen und Geschichten aber beruhen auf historischen Quellen.